Ein Vortrag über die aufrechte Haltung
Eine aufrechte Haltung ist für viele Menschen heute nur mit Anstrengung möglich, was unweigerlich zu Ermüdungserscheinungen führt und weiterer Schwächung in der Aufrichtung.  Aus therapeutischer Sicht wird allgemein immer zu einem konsequenten Muskelaufbau geraten, damit man mehr physische Kraft und Ausdauer gewinnt, um z.B. einen langen Arbeitstag im Sitzen zu überstehen.
Die Wirbelsäule ist jedoch nicht bloß ein anatomisches Gebilde, das allein durch Muskulatur gesteuert wird, sie ist die Persönlichkeitsachse des Menschen und sollte für seine Aktivitäten zugleich spannkräftig und geschmeidig sein. Die Muskeln sind vorrangig für die Bewegung des Rumpfes zuständig und weniger für statische Dauerspannung geeignet. Ein genauer Blick in die Anatomie kann das anschaulich machen.
Des weiteren gibt die Entwicklungsgeschichte des Menschen deutliche Hinweise darauf, dass die Aufrichtung des Menschen ein sehr entscheidender Schritt in der Evolution war, denn mit der Aufrichtung verbunden kam u.a. auch die Fähigkeit des Denkens hinzu. Interessant ist zudem, dass ein menschliches Wesen im Gegensatz zu den Säugetieren im Durchschnitt ein Jahr braucht, um den aufrechten Stand zu erlernen.
Die aufrechte Haltung scheint doch tief verbunden zu sein mit unserem Menschsein an sich und vorallem auch im Unterschied zum Tier. Auch unsere Sprache weist bildlich darauf hin, denn wir gebrauchen Ausdrücke wie `Haltung zeigen`oder `ein Mensch mit Rückgrat` oder auch `den Kopf hängen lassen`. Diese Redewendungen beziehen sich auf die Haltung, aber sie drücken eigentlich einen seelisch-geistigen Zustand des Menschen aus. So werde ich dann im letzten Teil die Haltung aus geisteswissenschaftlicher Sicht betrachten, welche eine Verbindung zum Selbst- oder Ich- Gefühl des Menschen schafft und damit ein äußerst aktuelles Thema unserer Zeit aufgreift.
 Ich möchte in diesem Vortrag der Frage nachgehen, was verhindert und was fördert eine natürliche schöne Haltung im Leben.